In der heutigen Zeit nimmt, so ist jedenfalls mein Eindruck, die Rücksichtslosigkeit zu. Jeder denkt nur an sich und andere sind zunehmend egal. Die Rücksichtslosigkeit ist etwas was ich einfach nicht mag und wofür mir das Verständnis fehlt.
Gestern Nachmittag habe ich beim Schwimmen mal wieder erleben dürfen, was es heißt rücksichtslos zu sein. In dem Hallenbad war es für einen Freitagnachmittag verhältnismäßig voll. Es war im großen Becken einiges los, neben Kindern waren auch ältere Leute. Ich konnte da problemlos meine Bahnen schwimmen, denn die älteren Leute waren sehr vorsichtig und die Kinder eher im flachen Teil des Beckens. Es ging gut, bis ein Herr dazukam der gleich begann ein schnelles Schwimmtraining abzuziehen. Er wechselte regelmäßig den Schwimmstil, von Kraulen zu Brustschwimmen, dann Rückenschwimmen und schließlich Schmetterling also sogenanntes “Lagenschwimmen”. Das ganze ohne zu schauen ob Leute in der Bahn sind. Ein älterer Herr, der ganz langsam und ganz vorsichtig geschwommen war, wusste gar nicht was los war als der Temoposchwimmer ganz dicht an ihm vorbeigeschossen kam. Ich versuchte immer einen gewissen Abstand zu dem Typen zu halten. Wenigstens war nichts passiert und das lag wohl daran das der Schwächere nachgegeben hat, das die Leute so wie ich, versucht haben dem Typen nicht zu nahe zu kommen. An Konflikten habe ich kein Interesse denn ich habe nichts davon, deshalb versuche ich sie stets zu vermeiden.
Warum kann man das nicht anders machen? So ein einfaches normales Hallenbad ist kein Leistungszentrum und kein Olympiastützpunkt. Da muss man, wenn man ein Traininig auf Tempo durchziehen will durchaus damit rechnen, das die Bahnen nicht immer frei sind und sich darauf einstellen. In einigen Hallenbädern hier, wird zu bestimmten Zeiten sogar extra für die Leute die trainieren wollen ein Teil des Beckens, meistens eine oder zwei Bahnen gesperrt und mit einem Schild als “Tempobahn” bezeichnet. Es sind auch längst nicht alle Temposchwimmer so wie der gestern Nachmittag. Die meisten suchen sich gleich im Becken die Stellen aus wo am meisten Platz ist, wo die wenigsten Leute sind und das ist meistens auf den äußeren Bahnen der Fall. Mit gegenseitiger Rücksichtnahme geht es besser.
Ich kann den Bogen jetzt noch weiter spannen und die Rücksichtslosigkeit die ich gestern erleben musste als Symptom der heutigen Zeit nehmen, eine Zeit in der jeder sich selbst der nächste ist, in der jeder in dem Anderen nur noch einen Konkurrenten sieht, eine Zeit die so kalt ist wie das Wetter jetzt im Winter draußen. Es ist zu befürchten, das es in Zukunft eher noch mehr Rücksichtslosigkeit geben wird, sei es in der Arbeitswelt oder im Verkehr. Aber so weit möchte ich jetzt nicht gehen. Es gibt immer noch andere Erlebnisse, die einem bewusst machen das es auch noch Rücksichtnahme gibt. Das es auch anders geht. So ein positives Beispiel ist der morgen stattfindende Lauf für Haiti. Würde es nur noch Rücksichtslosigkeit geben, dann gabe es diesen Lauf morgen nicht. Das ist es was mich erfreut.
Jedenfalls war gestern das Schwimmen zwar davon belastet aber trotzdem war es schön. Beim Blick durch die Scheiben nach draußen sah man den Schnee fallen, es war gestern Nachmittag fix am schneien. Als ich wieder aus dem Bad herauskam, musste ich draußen durch den Neuschnee stapfen. Falls es morgen mit dem Laufen nicht klappt, wäre das Schwimmen gestern zudem für den guten Zweck, ich würde es dann als 10 km Lauf für Haiti zählen.
Dies ist jetzt ein etwas ernsterer Beitrag nach meiner humorvollen Suchbegriffesammlung gestern. Aber auch dafür sollte hier mal Platz sein.
