Nun ist er da der Herbst die Bäume werden bunt und schließlich nehmen die Blätter Abschied von den Bäumen.
All der Freuden keine mehr,
Was noch zu erwarten?
Liederarm und blumenleer
Feld und Wald und Garten.Müde, was erwachte kaum,
Sturm und Regenwetter,
Und herab von Strauch und Baum
Flattern schon die Blätter.Kommen, – blühen – und verblüh’n,
Kurzes Erdenwallen!
Aber auch kein neues Grün,
Eh’ das Laub gefallen!Herbstlied aus “Hochdeutsche lyrische Gedichte” von Johann Meyer
Jedes Blatt sieht dabei anders aus und hat seine eigene Farbe, denn jedes Blatt ist einmalig und auch wenn im Frühling neue Blätter die alten ersetzt haben, werden die anders sein als ihre Vorgänger. Somit ist jedes Blatt nicht nur ein Teil vom Baum sondern auch ein einzelnes Wesen für sich, eben weil ein jedes einmalig ist.
Kann es nicht sein, das auch ein Blatt auch wenn es eigentlich nur ein Organ des Baumes ist und einen eher einfachen Aufbau hat, ein Wesen ist welches vielleicht auch Träume hat? Tiere haben eine Seele warum sollten nicht auch Bäume und ihre Blätter eine Seele haben?
Zugegeben das ist ein sehr weit her geholter Gedanke. Aber mitunter beschäftige ich mich schon mal mit solchen Dingen. Auf den Gedanken war ich gekommen, nachdem ich in den Tiefen meiner Musiksammlung auf ein über 40 Jahre altes Lied von der Sängerin Alexandra gestoßen war, wo es genau darum ging. Das Lied “Der Traum vom Fliegen” handelt von einem Blatt an einem Baum, welches davon träumt mit dem Wind in die Welt zu fliegen, die es sich einfach schön, wenn nicht zu schön vorstellt. Im Herbst, beim Abschied der Blätter fliegt es dann wirklich jedoch nicht weit, so hatte es sich das Fliegen nicht erträumt.
Ich habe das Lied im Netz gefunden, wer will kann es sich verbunden mit einem schönen Video anhören. Der Text ist anspruchsvoll und keine leichte Kost. Im Radio wird so ein Lied höchstens auf Sendern gespielt die ein höherwertiges Musikprogramm haben mit Platz für Anspruchsvolles wie beispielsweise WDR 4, aber nie im Dudelfunk.
Ich möchte mit diesem Beitrag niemanden dem Spaß am Laufen oder Radeln auf vom Laub bedeckten Wegen nehmen. Aber vielleicht regt dieser Beitrag und das Lied ja auch ein wenig zum Nachdenken an. Es sollen nur ein paar Gedanken zum Herbst sein.
Herbst
Wenn ich an einem schönen Tag
Der Mittagsstunde habe acht
Und lehne unter meinem Baum
So mitten in der Trauben Pracht;Wenn die Zeitlose übers Tal
Den amethystnen Teppich webt,
Auf dem der letzte Schmetterling
So schillernd wie der frühste bebt:Dann denk’ ich wenig drüber nach,
Wie’s nun verkümmert Tag für Tag,
Und kann mit halbverschlossnem Blick
Vom Lenze träumen und von Glück.Du mit dem frischgefallnen Schnee,
Du tust mir in den Augen weh!
Willst uns den Winter schon bereiten?
Von Schlucht zu Schlucht sieht man ihn gleiten,
Und bald, bald wälzt er sich herab
Von dir, o Säntis! ödes Grab!Aus “Gedichte 1844″ von Annette von Droste-Hülshoff


