Nein, bei mir war nicht Schulanfang – der liegt schon eine ganze Weile zurück, genau gesagt er war 1978. Schulanfang war in der vergangenen Woche hier in Hamburg. Mir waren auf meiner Tour am vergangenen Dienstag daher auch mehrere Kinder mit der Schultüte in der Hand zusammen mit ihren Eltern entgegengekommen.
Als ich die so gesehen hatte, da hatte ich ihnen in Gedanken viel Erfolg gewünscht. Schließlich hat für die Kinder ein neuer Abschnitt im Leben angefangen, schließlich hat der sogenannte “Ernst des Lebens” begonnen. Für die Kinder hat der Einstieg in die Ellenbogengesellschaft begonnen denn nun werden die Kinder schnell erfahren, dass andere Kinder nur Konkurrenten sind die es zu überbieten gilt. Es zählt nur das was auf einem Blatt Papier steht was zweimal im Jahr verteilt wird. Ein Blatt Papier mit Zahlen die möglichst klein sein müssen, wenn es geht soll da nur die Zahl 1 vorkommen und eine 0 bei “Versäumnissen”.
Als ich die Kinder mit ihren Eltern sah, da musste ich auch an meinen Schulbeginn denken. Diese Gedanken sind der Anlass für diesen Artikel, denn gerne möchte ich ganz offen über meinem Schulbeginn und den ersten Jahren in der Schule einige Worte schreiben.
Auf Umwegen zum Schulanfang
Im Jahre 1977 da ging es um die Frage ob ich zur Schule komme, die Einschulung stand bevor. Jedoch wurde daraus erst einmal nichts, denn man hat mich als “nicht schulfähig” abgestempelt. Also ging es erst einmal bis 1978 in den Vorschulkindergarten. Als dann das Jahr um war, ging es wieder um die Einschulung. Die wollte man erneut verweigern. Wieder hieß es ich sei “nicht schulfähig” und überhaupt ich würde es wohl auch nicht werden. Ich käme immer wieder in den Vorschulkindergarten und dann nach einiger Wiederholung in eine Sonderschule für Lernbehinderte. Unser Bildungssystem ist in einem Punkt (Welt)-Spitze im Aussortieren und Abstempeln. Das musste ich früh erfahren. Meine Mutter setzte durch das mit mir ein IQ-Test gemacht wurde. Dessen Ergebnis bewirkte meine Einschulung.
Mein Schulanfang
Im Jahre 1978 ging es nun los. Der erste Schultag war gekommen und mit das erste was einem in der Schule vermittelt wurde, waren die Bedeutung der Symbole die an der Tür von öffentlichen gewissen Örtlichkeiten stehen, wo dürfen Jungen rein und wo die Mädchen. Ich wurde in einer Sprachheilschule eingeschult, dort waren die Klassen kleiner als an “normalen” Schulen. Dann begannen in der 1. Klasse die Übungen im Lesen und Schreiben. Beim Schreiben hatte ich mit so manchem Buchstaben meine Mühe, während das Lesen bei mir gut wenn nicht sehr gut klappte. Das erste Buch mit dem in der Schule gearbeitet wurde war die Fibel für das Lesen und Schreiben, es hieß “Die goldene Brücke” (über den Link kann man eine Abbildung und Beschreibung des Buches finden). Außer Lesen und Schreiben begann auch das Rechnen, da wurde dann das Spiel “Rechenkönig” gespielt, bei dem ich es allerdings nur zum Bettelmann brachte. In der ersten Klasse hatten ich einen Klassenlehrer ganz alter Schule, er nannte sich “Onkel” und wenn einer mal die Hausaufgaben vergessen hatte, dann schrie er fast los “der hat die Schulaufgaben vergessen!”. Das erste Zeugnis am Ende der 1. Klasse schrieb er mit der Hand, seine Schrift war nicht gerade leicht lesbar. Aber was wäre Schule wenn es nicht schon ganz am Anfang auch Sorgen geben würde, denn mit der 1. Klasse begann auch der Sportunterricht und das war von Beginn an der Schrecken aber nicht nur das, auch andere Fächer bei denen Handarbeit gefordert wurde machten mir großen Kummer.
Der doch schon ältere Lehrer wurde schließlich dauerhaft krank und so sprang eine Vertretung als neue Klassenlehrerin in der zweiten Klasse ein. Die hatte kein gutes Blatt an mir gelassen. Auch hatte ich noch andere Lehrerinnen die ihre Notizen für das Zeugnis machten. Beim Handarbeiten da unterrichtete eine Dame die eine Namensliste auf einem Zettel hatte und daneben ihre Bemerkungen zu den Schülern aufgeschrieben hatte. Waren es meist nur wenige Worte, gab es einen bei dem sie einen Roman schreiben konnte – mich. Da ich Schwierigkeiten mit der Handarbeit hatte, standen dann auf ihren Zettel so Sachen wie “braucht viel Hilfe” und so weiter. An einen Spruch von meiner Klassenlehrerin in der zweiten Klasse erinnere ich mich noch.
“Du bist der Schlechteste”, “Du bist der Schlechteste von allen.” Worauf bezog sich das wohl? Dreimal könnt ihr raten, sie unterrichtete nämlich auch was wohl? – Na ganz einfach Sport. Immerhin hat sie mich nicht sitzen lassen und ich kam in die 3. Klasse in einer anderen Schule. In der ersten Schule waren nur die ersten beiden Klassen gewesen.
Bereits in den ersten zwei Jahren zeigte sich die Entwicklung ab die in der übrigen Zeit bestehen bleiben wird, ich war ein Außenseiter und dementsprechend musste ich einiges einstecken an Ärger, an Hänseleien weil ich eben anders war. Mit den Mitschülern hatte ich mich nie richtig gut verstanden. Daher wollte ich auf das Miteinander hier auch nicht weiter eingehen.
Hier noch einige Schmankerl aus meinem Zeugnis der 2. Klasse:
Seine Schrift ist fahrig. Er verschreibt sich oft, achtet auch nicht genug auf die Linien.
“Fahrig” ein Wort was ich selber noch nie verwendet habe, meine Schrift muss damals ein furchtbares Gekritzel gewesen sein.
oder …
Beim Malen und Werken braucht er Zuspruch und Einzelhilfe, damit er seine Arbeiten zum Abschluß bringt.
Handarbeit liegt mir nicht und das war auch schon damals so.
oder…
Er liest flüssig, jedoch ohne Betonung vor.
Also ich habe so vorgelesen wie ein Sprachausgabeprogramm am PC.
Aber wenigstens hat man mich trotzdem nicht sitzen gelassen.
Geprägt hat mich aber dieser Absatz den die Tante äh Klassenlehrerin in mein Zeugnis der 2. Klasse schrieb:
Bei der geringsten Unsicherheit zeigt er dagegen ein kleinkindhaft aggressives Verhalten. Dadurch ergeben sich auch immer wieder Probleme im Umgang mit anderen Kindern, die seine oft heftigen Reaktionen gar nicht verstehen können.
Ich war also der Klassenteufel. Das muss richtig furchtbar gewesen sein. So furchtbar das ich es schon nicht mehr weiß.
Soviel zu meinem Schulanfang. Bei Gelegenheit, Lust und Laune werde ich hier weitere Erinnerungen an vergangene Zeiten in das Blog stellen, Dinge die ich nicht verheimliche, Dinge die jeder wissen darf, Dinge von denen ich gerne mal schreibe. Da wird dann sicher noch die eine oder andere Erinnerung an die Schulzeit dabei sein.
Andere schreiben Bücher – ich schreibe von meinen Erinnerungen gern für jeden lesbar ganz offen hier im Blog.
Meine Frage an jede Leserin und jeden Leser: Wie war Euer Schulbeginn?
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