Im “Runners World” Forum gibt es derzeit eine Diskussion über das Laufen mit Behinderung. In dieser Diskussion wurde festgestellt das es nur sehr wenige behinderte Läufer gibt. Bei den Deutschen Behindertenmeisterschaften gibt es bei 5 und 10 km Lauf demnach ganze 20 Teilnehmer. Das dürfte mit den hohen Belastungen zu tun haben. Außerdem ging es auch darum das es wegen der vielen unterschiedlichen Behinderungen auch viele verschiedene Leistungsklassen gibt.
Mich hatte dieses Thema angesprochen, denn auch bei mir liegt eine leichte körperliche Behinderung (Bewegungsstörung) vor. Dadurch ist für mich beispielsweise Laufen nur mit einer Höchstgeschwindigkeit möglich die deutlich unter den Möglichkeiten nicht behinderter Leute liegt. So ist der 5:09 Minuten pro Kilometer Schnitt den ich vor kurzem gelaufen war, meiner Höchstgeschwindigkeit schon nahe gekommen. Ich kann vielleicht kurze Strecken noch einen Tick schneller laufen, aber da ist dann auch das Ende der Fahnenstange erreicht. Außerdem wirkt sich die Behinderung auf die Geschicklichkeit der Hände aus, Handwerk scheidet daher für mich als Beruf aus.
In der Schule war es eine große Belastung, denn dort kam es nur auf Leistungsvergleich an. Einer wie ich, der von den Lehrern durch Sätze wie “Du bist der Schlechteste” demotiviert war, der nicht nur behindert sondern zudem noch vollkommen unsportlich war, so einer hatte es verdammt schwer mit nicht behinderten Mitschülern vergleichbare Leistungen zu zeigen. Das war praktisch unmöglich und die Drohung mit 6 und sitzen bleiben wegen Sport brachte ihr übriges. Aber mir fiel eben nicht nur Sport in der Schule schwer sondern auch Werken (Holzarbeit) und Kunst, alles was mit den Händen gemacht wurde. So brauchte ich nach dem Ende viele Jahre bis ich angefangen hatte mit ein wenig Sport.
Ich finde es schön das es heutzutage den Behindertensport mit erstaunlichen Leistungen gibt. Jedoch bekommt man in der Öffentlichkeit kaum etwas davon mit. Die Behinderten haben ihre eigenen Meisterschaften und die Paralympischen Spiele wo es jedoch nur wenig Interesse an gibt. Positiv war, das bei den Paralympischen Spielen 2008 in Peking das Fernsehen endlich mal mehr gezeigt hat als nur kurze Zusammenfassungen in den Nachrichten. Vielleicht könnte man dort wo es möglich wäre mal die Behinderten bei den nicht Behinderten integrieren. Warum sollten nicht mal Läufer mit Prothesen oder Blinde bei Olympia starten können? Es könnte eine breite motivierende Wirkung haben.
Ich war jedenfalls darüber erfreut, das dieses Thema in dem Forum angesprochen wurde und das dort sogar behinderte Läufer schreiben. Hatte ich damals demotiviert von der Schule jeglichen Sport abgelehnt versuche ich jetzt im Rahmen meiner Möglichkeiten aktiv zu sein. Meine Abneigung gegenüber Wettkämpfen hat nicht nur mit der Erinnerung an das ewige letzter sein in der Schule zu tun sondern auch mit den durch die Behinderung gegebenen Einschränkungen. Es ist für mich keine Selbstverständlichkeit das ich an einem Wettkampftag auch im 5:09 er Schnitt laufen würde, vielleicht klappt es gerade an dem Tag nicht. Wenn ich dann merke das ich nur überholt werde und irgendwann dann keiner mich mehr überholt und wenn ich dann nach hinten schaue, da weit und breit keiner mehr zu sehen ist, dann hätte ich keine Lust ins Ziel zu laufen. Mir wäre dann ein “DNF” lieber als Letzter zu sein. Es wundert mich auch nicht wenn Behinderte bei Volksläufen fernbleiben, wer läuft schon gerne hinterher.
Vorsichtshalber verzichte ich auch darauf längere Strecken als 12 km zu laufen, eine Überforderung will ich nicht riskieren. Auf dem Rad habe ich diese Bedenken nicht, da fühlen sich die Bewegungen für mich schonender an als beim Laufen.
Es ist jedenfalls ein Thema zu dem ich mich gerne äußere, eine Gelegenheit auch einige Worte über mich zu schreiben.
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Die Problematik im Schulsport wurde ja bereits mehrfach angesprochen. Wenn man mal ein gewisses Alter erreicht hat, sind viel Dinge und Wunden von früher vergessen.
Was für mich zählt, ist in erste Linie der Spaß des einzelnen bei SEINEM Sport. Unabhängig von der Leistung. Und unabhängig von einer Behinderung oder nicht!
@Gerd
Für mich zählt auch zuerst der Spaß.
Genau! Auch ich war im Schulsport absolut keine Leuchte, hab mich auch gedrückt, wo es nur ging – Barren & Co. uuuaaaah, das ging gar nicht…
Und so wie Gerd es bereits schrieb, was wirklich zählt, ist der Spaß beim Sport, die Freude daran – denn nur dann betätigt man sich regelmäßig sportlich… Ganz egal, was für eine Leistung man bringt, ob man eine Behinderung hat oder nicht… Und soo langsam bist Du mit 5:09er Schnitt absolut nicht – da muss ich erst noch hinkommen…
@Feuerpferdle
Barren und Co. waren für mich auch absoluter Horror, aber auch alles andere war für mich keine Freude. Ein 5:09er Schnitt ist für mich eine Ausnahme. Ich bin mir sicher das Du das auch bald schaffen wirst.
Das gerade der Schulsport viel Lust auf Sport zunichte machen kann, das habeich selber erlebt und gerade deswegen finde ich es schön das Du heute (und ich genauso) doch den Spaß am Sport entdeckt haben
Der Leistungsgedanke kann förderlich sein, zu Bestleistungen antreiben … der Grad ist aber schmal. Hauptsache es macht Spaß!
@Julia
Hauptsache es macht Spaß und da ist für mich besonders wichtig das kein Druck dahinter steht.
Ich bin zwar nicht behindert, aber ich war immer die dicke Letzte, immer! Und in der Grundschule wurde mir eine motorische Schwäche von Arzt attestiert. Die war zwar “nur” wachstumsbedingt, weil ich ja auch nicht klein geraten bin und früh so groß war, aber es hat mich dennoch beeinträchtigt. Von daher glaube ich, daß ich Dir gut nachempfinden kann.
Mal eine Frage: Wenn Du z.B. mal mit einer Truppe aus Bloggern, die Du magst nur aus Spaß an einem Volkslauf teilnehmen würdest und zusammen (!) gelaufen wird, könntest Du Dir das dann vorstellen? Nein, das ist kein Drängen, es interessiert mich nur Deine Hintergründe ganz zu verstehen.
Und darf ich fragen, wie sich Deine Bewegungsstörung bemerkbar macht?
@Evchen
Bei so einer Truppe aus Bloggern würde ich vielleicht mitmachen, wenn höchstens 10 km gelaufen werden jedoch müsste ich mir das erst mal gut überlegen. Die Bewegungsstörung hat eigentlich nur die Auswirkungen von denen ich geschrieben habe, beispielsweise auf Handarbeit und auch auf die Geschwindigkeit. Sonst steht die auf dem Papier.
Freude an der Bewegung sollte allen Menschen gegeben sein, und Gott sei Dank gibt es auch Förderer, die behinderte Menschen unterstützen.
So gab es in Norderstedt vor zwei Jahren einen 6-Stunden-Lauf, an dem eine Gruppe Jugendlicher mit Down-Syndrom teinahmen, eine solche Freude bei Menschen am Laufen habe ich selten erleben dürfen.
Sicherlich würden noch mehr behinderte Menschen laufen, würden sie von den Nicht-Behinderten unterstützt.
Auch bei großen Marathons findet man immer wieder Blinde, die in Begleitung Sehender tolle Zeiten laufen.
Du läufst, fährst Fahrrad und bist glücklich dabei, nur das zählt, und hoffen wir, dass noch viele andere -egal mit oder ohne Behinderung – diesen Weg mit Hilfe anderer gehen können.
@ultraistgut
Genau diese Förderer gibt es und das ist es was ich richtig gut finde. Ich hoffe auch das möglichst viele ihren Weg gehen können und dabei Freude haben.
5:09 mit Bewegungsstörung! Wow!
Das muss dir Einer ohne Einschränkungen erstmal nach machen. Ich schaffe das im Moment gerade so auf 5km.
Schön das du trotz allem deinen Sport machst.
Gut das bei uns der Spaß im Vordergrund steht und nicht die Leistung.
@Torsten
Genau der Spaß steht im Vordergrund, sobald auch nur etwas Druck dabei wäre, hätte ich keine Lust mehr. Die 5:09 waren eine Ausnahme, ein kalter Abend mit ordentlich Regen.
Das Thema Schulsport hatte ich bei mir auch schon oft; mir ging es damals ähnlich wie Dir – ich war immer der Schlechteste. Und heute puste ich die damaligen Helden weg. Die Zeit ändert die Menschen.
Sport mit Behinderung ist ein ernstes Thema, was ich bei mir auch schon thematisierte – unter “Vorbilder”. Daß Menschen mit Behinderungen Laufverstanstaltungen fern bleiben, ist verständlich, denn dort geht es in der Regel nur um Weiter, Besser, Schneller. Ich finde das nur langweilig, dieses ewige Messen und Vergleichen. Kein Wunder, daß die Menschen alle unzufrieden sind.
Wie auch immer, ich wünsche Dir weiterhin viel Freude bei der Bewegung!
@Marcus
Damals war der Schulsport für meine Mitschüler “die Helden” das wichtigste Fach, auch um mir eins auswischen zu können. Ich hatte lange gebraucht das zu verarbeiten. Heute will ich mir aber den Spaß an der Bewegung aber nicht mehr nehmen lassen.
@ Marcus
Nicht alle Menschen sind unzufrieden !
5:09 schaffe ich auf keinen Fall. Auch nicht beim Wettkampf!
Nur mal so am Rande…
Ich finde es gut, dass du so offen von dir erzählst und verstehe, dass du nicht so gern an Volksläufen teilnimmst. Bei meinem ersten Volkslauf war ich auch Letzte. Aber da war mir wichtiger, anzukommen – denn ich wusste, dass ganz viele unterwegs aufgehört und abgebrochen hatten. Ist also gar nicht so schlimm (obwohl ich das auch erst GANZ schlimm fand!), und ich glaube auch nicht, dass dir das tatsächlich so ergehen würde
Viele Grüße, Anke
@Anke
Es freut mich wenn meine Offenheit gut ankommt. Ich hatte überlegt ob ich das alles so offen schreibe und hatte mich dann entschieden es einfach so zu tun. Es hat sich gelohnt.