Horrorfach Sport

Heute ist Sonntag, der ruhigste Tag der Woche. So einen ruhigen Tag kann man nicht nur für Bewegung nutzen sondern auch zum ruhigen Nachdenken über die verschiedensten Dinge. Wenn man dann schon mal bei Bewegung oder Sport als Thema ist, dann kommt beim nachdenken vielleicht auch die Erinnerung an frühere Zeiten zum Vorschein. Da wäre beispielsweise der Sportunterricht damals in der Schule.

Es war für mich der reinste Horror gewesen. Mir grauste jedes mal davor. Die Tage an denen “Sport” auf dem Stundenplan stand, waren die schlimmsten in der Woche für mich gewesen. Das lag daran das ich absolut unsportlich war und auch körperlich durch eine leichte Behinderung nicht in der Lage war, die Leistungen zu erbringen die von den Lehrern verlangt wurden damit man dafür bewertet werden konnte. Meine Leistungen waren grundsätzlich nicht vergleichbar mit denen der anderen. Man wurde mit Zwang “motiviert” und mit der Drohung mit einer 6, die zum Sitzenbleiben führen würde. Das wäre dann Sitzenbleiben wegen Sport.

Die Bundesjugendspiele waren dann die absolute Hölle. Ich war grundsätzlich immer Letzter, weitestgehend demotiviert und hatte dann den Spott der Anderen zu ertragen. Es gab nur Ärger. Hinzu kam das in der Schule die Bundesjugendspiele für besonders wichtig genommen worden sind. Die waren wichtiger als gute Leistungen in allen anderen Fächern. Nach den Bundesjugendspielen gab es nämlich Urkunden, beispielsweise mit der aufgedruckten Unterschrift des Bundespräsidenten (“Ehrenurkunde”). Diese Urkunden wurden vor versammelter Schule in der Aula vergeben, wer durch seine Leistungen bei den Bundesjugendspielen genügend Punkte für eine solche Urkunde gesammelt hatte wurde namentlich aufgerufen und konnte dann seine Urkunde vor der versammelten Schule abholen. Nun ratet mal wie war es bei mir? – Richtig, ich wurde niemals aufgerufen.

Im Netz habe ich im Melas Asperger und ADS-Blog einen sehr guten Artikel entdeckt der genau dies auf den Punkt bringt, dort heißt es:

Für mich selbst bedeutete Schulsport andauernden Horror. Von Hause aus ungelenk, ungeschickt und ängstlich, versorgte er mich jahrelang mit Alpträumen und vor den jährlich stattfindenden Bundesjugendspielen wäre ich am liebsten gestorben.

Nun gestorben wäre ich deswegen nicht gerne aber ich hatte mir schon gewünscht an den Tagen mit den Bundesjugendspielen wenigstens krank zu sein, nur der Wunsch war nie Wirklichkeit geworden. Überhaupt habe ich mich in dem Artikel richtig wiedererkannt.

Die Mitschüler haben es genossen wenigstens ein Fach zu haben, in denen ich ihnen nicht die Hand reichen konnte. Dort gab es dann auch keinerlei Proteste gegen angeblich immer zu gute Zensuren für mich. Ich war auch deshalb absoluter Außenseiter in der Klasse.

In dem Artikel im Melas Blog steht ein weiterer Satz den ich nur unterschreiben kann:

Von daher: Lasst bitte endlich die Benotung weg und wenn schon Sportzwang, dann lasst die Kids wenigstens Spaß daran haben.

Der Sport in der Schule ist Zwang. Es heißt das so viele Kinder übergewichtig sind wegen Bewegungsmangel und will am liebsten noch mehr schulischen Zwangssport als Therapie verordnen. Aber Zwangssport mit Noten? Wenn da Kinder bei sind deren Körper von Haus aus nicht so gelenkig ist, die nicht so geschickt sind, denen der Sprung über den Bock oder Turnübungen einfach nicht so gut gelingen wollen, dann wird man die mit schlechten Zensuren kaum zu Bewegung motivieren. So ist es bei mir gewesen, die Drohung mit der 6 oder einer gefährdeten Versetzung wegen der Sportzensur ist keine Motivation.

Meine Erlebnisse damals im Schulsport, der ewige Ärger als immer Letzter bei den Bundesjugendspielen, haben bewirkt das Sport (Ausnahme Schwimmen) für mich sehr lange kein Thema war. Das erste mal gelaufen bin ich erst 12 Jahre nach der letzten derartigen Sportstunde. Auch halten mich die Erinnerungen an die Bundesjugendspiele mich bisher erfolgreich von Wettkämpfen fern.

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4 Antworten auf Horrorfach Sport

  1. Hannes sagt:

    Wirklich ein nachdenklicher Text … du nennst das wichtigste: Kinder sollen im Sportunterricht Spaß haben!
    Und meiner Meinung nach wäre eine Benotung der Steigerung angemessen. Man sollte es bei den Kindern belohnen, wenn sie sich bemühen und wenn sie versuchen, sich zu verbessern. Völlig egal ob sie bereits Topsportler oder absolute Anfänger sind.

    • Bernd sagt:

      Eine Benotung einer Leistungssteigerung wäre ja auch eine Motivation, das würde ich auch viel besser finden als schlechte Noten zu verteilen für ungeschickte Kinder und denen sogar mit Sitzenbleiben zu drohen.

  2. da ist wirklich was dran Bernd – ja auch ich erkenne Parallelen bei mir.

  3. Gerd sagt:

    Eine gute Idee die Noten für den Sportunterricht wegzulassen.
    Da habe ich noch gar nicht drüber nachgedacht.
    Sport sollte in erster Linie Spaß machen und keinen Leistungsgedanken enthalten.
    Jedenfalls im Kindesalter!
    Bei ir hat es auch lange gedauert bis ich nur noch Spaß beim Sport wollte :?

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