Angeregt durch ein Thema aus dem Laufforum und einem langen interessanten Beitrag dort, habe ich mir nun auch mal einige Gedanken darüber gemacht, was mich eigentlich dazu motiviert mich zu bewegen und ob meine Herkunft darauf einen Einfluss hat.
Herkunft?
Meine Eltern haben mit Sport nicht viel im Sinn. Was sie körperlich unternehmen beschränkt sich auf 2x wöchentlich etwas Schwimmen und bei meinem Vater 1x im Monat Kegeln. Somit gibt es aus meiner Herkunft Ich halte mich selber auch nicht für so richtig sportlich…
So wie gerade in deutschen Landen, die soziale Herkunft über den Lebensweg des Kindes bestimmt, weil man meint das ein Arbeiterkind auch Arbeiter bleiben muss und man deshalb ein Schulsystem geschaffen hat welches die Kinder frühzeitig nach der sozialen Herkunft des Elternhauses aussortiert, kann ein sportliches Elternhaus sicher eine entsprechende Entwicklung bei den Kindern begünstigen. Vorallem bei anspruchsvollen und teuren Sportarten kommen Kinder oft nur dazu, weil es die Eltern bereits machen. Meine wenig sportlichen Eltern jedenfalls haben mich in diesem Sinne nicht behindert aber auch nicht besonders gefördert. Es gab ja auch nichts was besonders zu fördern gewesen wäre. Denn der Schulsport sorgte schon dafür, das mir die Lust auf jede Art von Sport vergangen ist. Meine Eltern bekamen, als ich ein Kind war, von einem Kinderarzt nur immer zu hören das ich zu dick wäre, weil mein Körper nicht ganz der DIN entsprach.
Sportmotivation?
Bei mir immer Fehlanzeige. Das begann schon als Kind. Ich war, aus körperlichen Gründen für die ich nichts kann (leichte Behinderung), weniger flink als die anderen Kinder. Auch deshalb war ich der Außenseiter, bereits im Kindergarten. In der Schule war ich dann gleich derjenige bei dem die Lehrer in ihren Notizheften die längsten Bemerkungen schrieben, wie “braucht (zu) viel Hilfe” oder “macht nicht richtig mit”. Später dann folgte seitens der Sportlehrerinnen die Drohung mit der 6 wegen “Leistungsverweigerung” und Sitzenbleiben wegen Sport. Was anderes ist denen zur Motivation nicht eingefallen, vermutlich waren die einfach nur überfordert. Zu dieser Art von Motivation kamen dann noch die Bundesjugendspiele, ein Wettkampf der jährlich stattfand, bei dem man zur Teilnahme gezwungen worden ist. Hinterher wurden dann in der Aula die “Ehrenurkunden” mit der aufgedruckten Unterschrift des Bundespräsidenten verteilt, dabei wurde jeder der eine Urkunde bekam namentlich aufgerufen. Ich habe niemals so eine Urkunde bekommen, denn ich war in der Klasse grundsätzlich der Schlechteste. Der Grund dafür waren die schon genannten körperlichen Gründe, aber auch fehlende Motivation durch Zwang und der ständige Ärger, die Angst vor jeder Sportstunde. Das schlechte Abschneiden, ich war bei den Bundesjugendspielen grundsätzlich immer der Letzte, führte dazu das ich den Spott der Mitschüler ertragen musste. Der Letzte wurde einfach immer nur geärgert und das war halt ich. Es ist auch so gewesen, das Sport für meine Mitschüler das wichtigste Fach war. Dort waren sie gut oder sehr gut und konnten mir, dem Aussenseiter, eins auswischen.
Einzig etwas freiwillig privat betriebene Bewegung machte mir etwas Freude. Etwas Gymnastik und Turnen mit Musik, Projekte für Kinder mit körperlichen Einschränkungen die vom Werner Otto Institut angeboten wurden
So habe ich als Kind und Jugendlicher praktisch keine guten Erfahrungen mit Sport gemacht. Später blieb mir dann nichts anderes übrig als mich per amtsärztlichen Attest erst von der Benotung, später dann ganz vom Sportunterricht befreien zu lassen. Dies wurde notwendig als die Gefahr bestand das mir die Sportzensur die Zukunft verbaut.
Ich musste mich somit selber motivieren mich zu bewegen. Es brauchte schon über 10 Jahre nach der letzten Sportstunde bis ich angefangen hatte mich mehr zu bewegen. Vorallem war der Grund eine Berufstätigkeit die überwiegend im Sitzen stattfindet. Ich wollte dazu einen Ausgleich, auch weil man immer wieder vom “Bewegungsmangel” als Risikofaktor für diverse schwere Erkrankungen wie beispielsweise Herzinfarkt lesen und hören konnte.
So begann ich mich mehr zu bewegen. Es stand aber gleich für mich fest das es bei mir Sport nur in Maßen geben wird. Ich hatte Bedenken, das ich mich mit bösen Folgen körperlich überfordern könnte, weil ich nunmal einen nicht zu 100% funktionierenden Körper habe. Somit wollte ich mir beispielsweise auf keinen Fall zumuten mehr als 10 km in einem Stück zu laufen. Dann kam der Gedanke hinzu das es auch nicht richtig sein kann wenn man nur eine Sache alleine macht, also beispielsweise nur zu laufen. Es entwickelte sich weiter bis heute, wo ich kürzere Strecken 5-6 km laufe, Strecken um die 10 km walke und längere Strecken nur mit dem Rad zurücklege. Sport in Maßen heißt für mich aber auch das es nicht auf Geschwindigkeit ankommt. So bin ich auch auf dem Rad “nur” in einem eher gemütlichen Tempo unterwegs, eben ein Genußradler. Laufen ist mir schon aus den genannten körperlichen Gründen nicht besonders schnell möglich.
Eine Konsequenz hatten allerdings meine schlechten Erfahrungen als Kind und Jugendlicher mit Sport. Die Bundesjugendspiele haben dafür gesorgt das sportliche Wettkämpfe, beispielsweise Volksläufe, für mich auch heute kein Thema sind. Ich möchte nicht das die Erinnerungen von damals durchschlagen, wenn ich bei einem Volkslauf als Letzter ins Ziel komme und es dann heißt: “Kommt der Letzte auch mal…”, ich will nie wieder Letzter sein und das gelingt mir nur sicher wenn ich an Wettkämpfen höchstens als Zuschauer teilnehme.
Ich kann mir allerdings vorstellen das es bei mir alles anders gekommen wäre, ohne die negativen Erlebnisse im Sportunterricht in der Schule. Wäre der Schulsport so gewesen wie das private und freiwillige leichte Turnen, wäre ich sicher schon viel früher angefangen.
Keine ähnlichen Beiträge.

















Hallo Bernd,
eine ausgezeichnete Schilderung, wie man durch Herkunft und dann der Ignoranz von Mitschülern und Lehrern schikaniert werden kann (nicht nur im Sport). Das war tatsächlich auch schon so, als wie ich sagte, der Schulssport und die Sportlehrer noch ihren Namen zu recht trugen.Also auch schon eine rechnerische Generation vorher (ich entkomme in etwa so dem kleinbürgerlichen Mittelstand). Es ist aber auch eine ausgezeichnete Schilderung, wie man sich dann selber nach seinen eigenen möglichkeiten motivieren kann, wenn es auch etwas dauert. Den Spruch in der Art: “Das brauchen wir nicht, wir sind Arbeiter!” kenne ich aus der Familie meiner damaligen Frau, obwohl, wie geschildert Vater und Sohn mal für kurze Zeit auf die Piste liefen. Hat eh nicht lange gedauert mit der Ausdauer.
Zum Thema laufen: Hast du meinen Buchtipp unter “off topic gesehen? Spannend!
Gut, ich wünsche dir noch viele schöne, selbstauferlegte “Sportstunden”! Du bist ja alles andere als einseitig dabei!
Servus
Siegi
(Deine Seite muss ich mir mal näher zu Gemüte führen.)
Pingback: Motivation und Herkunftsfamilie - Seite 2 - Laufen: Laufforum.de
Sehr interessante Gedanken! Ich glaube die Sportmotivation ist ja immer sehr wichtig, der Sportadrenalin ist etwas unglaublich.Sport ist Gesund, Gesund ist alles…
@Franko
Die Sportmotivation ist auch sehr wichtig, neben der Freude an der Bewegung.