Das war Peking 2008

Nun sind sie vorbei, die Olympischen Spiele in Peking 2008. Das größte Sportfest der Welt, welches mit einer grandiosen Eröffnungsfeier begann. Es war auch vor dem Fernseher spannend und packend, sogar so das ich viel mehr zugeschaut habe bei den Übertragungen, als ich überhaupt wollte. Manches war spannender als viele Krimis. Jeden Morgen hatte ich im Radio hereingehört ob es schon in der Nacht etwas Neues gegeben hat.

Vorsicht: (Sehr) langer Beitrag

Jetzt nach dem Ende der Spiele will ich einmal eine kleine Bilanz ziehen aus deutscher Sicht und damit auch die bewegendsten Momente noch einmal Revue passieren lassen.

In den ersten Tagen war immer wieder das Gleiche zu hören. Die deutschen Starter sind im Vorlauf ausgeschieden, haben den ersten Kampf verloren, müssen in die Trostrunde oder in die Hoffnungsrunde, haben das Finale verpasst. Da ist mir dann schon der Gedanke gekommen, ob man die Frage danach woran es denn gelegen hat, noch oft hören wird. Irgendwann ist diese Frage auch nervig. Die erste Medaille brach den Bann und dann ging es Schlag auf Schlag, auf Enttäuschung folgte Jubel.

Die deutschen Medaillen

Die Höhepunkte aus deutscher Sicht sind die Medaillen. Ich habe hier noch mal alle zusammengefasst, bei einigen habe ich auch per Fernsehen zugeschaut. Es waren die packendsten Momente.

Am 2. Tag gab es dann die erste Medaille für die Deutschen. Die Wasserspringerinnen Heike Fischer und Ditte Kotzian holten Bronze beim Synchronspringen vom 3-Meter Brett. Am nächsten Tag gab es dann Silber, ebenfalls für Wasserspringer beim Synchronspringen für Patrick Hausding und Sascha Klein.

Der nächste Tag war dann der erfolgreichste Tag für das deutsche Team in Peking. Es gab gleich 4x Gold. Zuerst holte sich der Slalom-Kanute Alexander Grimm das erste Gold für Deutschland im Einer-Kajak. Dem folgte dann Ole Bischof im Judo in der Klasse bis 81 kg. Dann holten die Vielseitigkeitsreiter Andreas Dibowski, Ingrid Klimke, Frank Ostholt, Hinrich Romeike und Peter Thomsen Gold in der Mannschaftswertung. Hinrich Romeike holte zudem Gold in der Einzelkonkurrenz.

Am folgenden Tag gab es die erste Medaille für die Schützen. Munkhbayar Dorjsuren holte Bronze mit der Kleinkaliber-Sportpistole. Dann gewann Benjamin Kleibrink beim Fechten mit dem Florett Gold. Ich habe das direkt im Fernsehen verfolgt. Er hatte gerade gesiegt, da begann schon der Kampf der Degenfechterin Britta Heidemann der ebenfalls zum Gold führte. Das war spannend, da hatte es richtig Spaß gemacht zuzuschauen.

Der folgende Tag, der 14. August brachte Bronze für die Schützin Christine Brinker im Skeet. Dann folgte die Goldmedaille im Dressurreiten in der Mannschaftswertung. Dies jetzt zum siebten Mal in Folge, ein goldenes “Abonnement”. Nadine Capellmann, Heike Kemmer und Isabell Werth haben sich durchgesetzt gegen den ewigen Rivalen die Niederlande. Auch das habe ich direkt mit verfolgt.

Am nächsten Tag hörte ich, gleich als ich morgens früh das Radio eingeschaltet hatte, den Jubel über Gold beim Schwimmen. Von den deutschen Schwimmern gab es bis dahin keine richtig positive Meldung. Aber das wurde nun anders mit dem Gold von Britta Steffen über 100 m Freistil. Zuerst sah es garnicht danach aus, sie lag zurück hat aber dann nach der Wende, nach den 50 m richtig durchgestartet. Die Bahnrad-Teamsprinter Rene Enders, Maximilian Levy und Stefan Nimke holten Bronze. Sie setzten sich gegen Australien durch.

Es ging weiter mit den Medaillen, am nächsten Morgen hörte ich von Silber für Ralf Schumann und Bronze für Christian Reitz im Schießen mit der Schnellfeuerpistole. Die beiden hatten zuerst keine Aussichten auf Medaillen, jedoch dann im Finale haben Konkurrenten gepatzt. Christiane Huth und Annekatrin Thiele holten ruderten im Doppelzweier zu Silber.

Aller guten Dinge sind zwei dachte ich als ich am folgenden Morgen das Radio eingeschaltet hatte. Ich wollte heraushören, was bei den 50 m Freistil der Damen herausgekommen ist. Britta Steffen hat es tatsächlich geschafft auch dort Gold zu holen mit einem Vorsprung von 0,01 Sekunden. Was ist eine hundertstel Sekunde? Beim Turnen gab es für Oksana Chusovitina Silber im Sprung. Für Kathrin Boron, Manuela Lutze, Britta Oppelt und Stephanie Schiller gab es beim Rudern im Doppelvierer der Frauen Bronze. Der Deutschland Achter hatte nicht einmal den Hoffnunglauf geschafft. Für die einst stolze Ruder-Nation Deutschland kein gutes Ergebnis. Außerdem holten noch die Brüder Jan-Peter Peckolt und Hannes Peckolt Bronze im 49er, was aber zuerst noch wegen Protestverhandlungen wackelte.

Am Montag (19. August) war dann das Tischtennis-Finale der Mannschaft Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov, Christian Süß gegen den Gastgeber China. Dort waren die Deutschen vollkommen chancenlos und hatten am Ende Silber.

Der Dienstag begann morgens als ich das Radio einschaltete mit dem Berichten über den Triathlon. Dort gab es Gold für Jan Frodeno. Ich hatte immer nur “Frodo” gehört und dachte das ist ein Spanier oder Italiener. Nein es war der Jan Frodeno aus Saarbrücken. Dann gab es in der Einzelwertung beim Dressurreiten Silber für Isabell Werth und Bronze für Heike Kemmer. Im entscheidenden Moment hat es nicht optimal geklappt. So holte sich die ewige Rivalin von Isabell Werth die Niederländerin Anky van Grunsven Gold. Mit dem Gold geklappt hat es hingegen für den Gewichtheber Matthias Steiner in der Klasse über 105 kg. Er hob dafür zuletzt 258 kg was man sich als gewöhnlicher Mensch kaum vorstellen kann. Ich habe es direkt gesehen und es war voller Emotionen. Er hat sein Gold seiner bei einem Autounfall verstorbenen Frau gewidmet. Am Reck holte Fabian Hambüchen Bronze, es hätte doch Gold sein sollen aber die Übung war nicht optimal verlaufen.

Der Mittwoch, der 20. August brachte keine Medaillen für die Deutschen. Jedoch ging es am Donnerstag gleich weiter mit Bronze für den Langstreckenschwimmer Thomas Lurz der Gold um 2 Sekunden verpasst hatte. Die deutsche Hockeymannschaft der Herren zog nach einem 7-m Krimi ins Finale ein, das war Spannung pur am Fernseher. Die Hockeymannschaft hat nun Silber sicher und die deutsche Frauen-Fußballmannschaft holte mit 2:0 gegen Japan Bronze. Dann folgte am Nachmittag Bronze im Speerwurf für Christina Obergföll.

Der Freitag wurde dann gleich richtig golden denn Fanny Fischer, Nicole Rheinhardt, Katrin Wagner-Augustin und Conny Waßmuth siegten mit dem Viererkajak. Dazu holten Martin Hollstein und Andreas Ihle Gold im Zweierkajak. Als ich von meiner Vormittagstour zurückgekommen war und über das Fernsehen hineingeschaut habe, war gerade die deutsche Nationalhymne bei einer der Siegerehrungen zu hören. Dann habe ich noch bei zwei weiteren Rennen direkt zugeschaut, es gab Silber für Christian Gille und Tomasz Wylenzek im Zweier-Canadier, kurz vor dem Ziel wurden sie von den Weißrussen um Zentimeter überholt. Dann gab es noch Bronze für Lutz Altepost, Norman Bröckl, Torsten Eckbrett und Björn Goldschmidt im Kajak-Vierer, das war alles spannend. Ein Tag der toll angefangen hat, geht auch so weiter. Ein überraschendes Gold im modernen Fünfkampf holte sich Lena Schöneborn. Ich hatte da das Reiten und den abschließenden 3000m-Lauf gesehen.

Goldig begann auch der Samstag als vorletzter Olympiatag für die Deutschen. Bereits am frühen Morgen holte Sabine Spitz Gold mit dem Mountainbike im Querfeldeinrennen. Sie hatte einen so großen Vorsprung auf die Konkurrenz, das sie vor dem Ziel absteigen konnte und das Rad über die Ziellinie getragen hat. Ich habe dann direkt zugesehen bei den Kajak-Wettbewerben und so sah ich wie Katrin Wagner-Augustin bei den 500m im Kajak-Einer Bronze holte. Auch bei Tim Wieskötter und Ronald Rauhe klappte es nicht mit dem Gold, sie wurden von Spanien geschlagen und müssen sich mit Silber begnügen. Bei den Zweier-Canadiern über 500 m holten Christian Gille und Tomasz Wylenzek Bronze. Den krönenden Abschluss lieferte die deutsche Hockeymannschaft, die in einem bis zum Schluss spannenden Endspiel mit 1:0 gegen Spanien gewonnen hat und sich so die Goldmedaille geholt hat.

Meine Bilanz der Spiele

Insgesamt holten die Deutschen Teilnehmer insgesamt 16 x Gold, 10 x Silber und 15 x Bronze. In Athen 2004 waren es zum Vergleich 13 x Gold, 16 x Silber und 20 x Bronze. Somit gab es diesmal 3 Goldmedaillen mehr als in Athen aber es gab auch Schattenseiten aus deutscher Sicht. Der Auftritt der deutschen Leichtathleten soll der Schlechteste seit 104 Jahren gewesen sein, denn es gab nur eine einzige Medaille, Bronze im Speerwurf. Insgesamt gab es 41 Medaillen für die Deutschen, 8 weniger als in Athen und 15 weniger als 2000 in Sydney. Am Ende steht Platz 5 im Medaillenspiegel. Nur ist dieser Platz wirklich so wichtig?

Dabei sein ist alles, es gibt sehr viele Länder deren Teilnehmer ohne Medaille nach Hause fahren, die waren froh dabei gewesen zu sein. Gefreut habe ich mich auch wenn Länder die noch niemals eine Medaille gewonnen hatten, mal zum Zuge kamen. Die Anzahl der Medaillen soll nicht die einzige Messlatte sein. Man sollte stolz sein auf das was man geschafft hat, weiter an der Zukunft arbeiten, an den Erfolgen von morgen und den Größenwahn einfach denen überlassen die meinen immer die Nummer 1 sein zu müssen.

Bei diesen Spielen gab es viele (Fabel-)Weltrekorde. Sicher hat das nicht nur für mich ein kleines “Geschmäckle”. Es stellt sich schon die Frage ob es noch mit rechten Dingen zugeht. Ist es von der Natur aus noch möglich sich immer weiter so zu steigern? Genauso kann man die Frage stellen warum es absolute Ausnahmetalente immer nur in ganz bestimmten Ländern gibt und nicht in anderen. Aber auch das ist Politik, jedes Land will so gut da stehen wie nur möglich.

Es gab viele schöne und viele bewegende Bilder an die man sich sicher noch gerne erinnern wird. Eines ist sicher, auch die nächsten Spiele 2012 werden wieder viele Bilder liefern auf die man sich freuen kann.

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